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Wegen Betriebsferien bleibt die Siebenbürgische Bibliothek vom 23. Dezember 2019 bis 3. Januar 2020 geschlossen

Willkommen beim Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg!

19/11 2019

Deutschland fördert den Erhalt der Kirchenburgenlandschaft

Die Stiftung Kirchenburgen, die Leit- und Koordinierungsstelle der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR) für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der Kirchenburgenlandschaft, erhält eine Sonderförderung von über einer Million Euro. Der Bundestagsbeschluss zu dieser Förderung wurde schon 2018 getroffen. Die Verhandlungen über die konkrete Verwendung der Mittel sind derzeit in der Schlussphase.

Auf der Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages stellt die deutsche Bundesbeauftragte für Kultur und Medien eine Sonderförderung in Höhe von 1,1 Millionen Euro für die Arbeit der Stiftung Kirchenburgen zur Verfügung. Diese Summe steht bis zum Ende des Jahres 2022 für diverse Maßnahmen zur Verfügung, die die Sicherung und Erhaltung der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgenlandschaft in den Mittelpunkt stellen. Vorgesehen sind die Durchführung von baulich-denkmalpflegerischen Vorhaben an ausgewählten Objekten, die Vorbereitung der Dokumentation der mobilen Kulturgüter im Eigentum der EKR sowie flankierende Maßnahmen zur Optimierung der kirchlichen Denkmalpflege und zur Bekanntmachung dieses kulturellen Erbes.

Die Förderung wird an den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat ausgeschüttet, der als Verein mit Sitz in Deutschland seit vielen Jahren Projekte zum Erhalt des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes koordiniert und durchführt. Für die aktuelle Förderung fungiert er als Projektträger und Kooperationspartner der Stiftung Kirchenburgen.

„Die Stiftung Kirchenburgen ist für diese Förderzusage sehr dankbar und sieht sie als Möglichkeit, das eigene Wirken entscheidend weiterzuentwickeln“, sagt Geschäftsführer Philipp Harmann.

Die dazugehörige Presseerklärung der „Stiftung Kirchenburgen“ finden Sie hier.

16/10 2019

Deutsch-rumänische Tagung „Rumänien im Fokus. Bestände zur Kulturlandschaft Siebenbürgen in Deutschland und Südosteuropa. 20 Jahre Verbundkatalog östliches Europa“ in Hermannstadt

Die Martin-Opitz-Bibliothek (Herne) richtete zwischen dem 16./17. und 19. September 2019 eine deutsch-rumänische bibliothekswissenschaftliche Fach- und Fortbildungstagung aus, welche im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Sammlungen zur Geschichte und Kultur der Deutschen im östlichen Europa in Kooperation mit der Evange­lischen Akademie Siebenbürgen, dem Begegnungs- und Kulturzentrum Friedrich Teutsch der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien sowie der Kulturreferentin für Siebenbürgen stattfand. Die Veranstaltung wurde in den Räumen der Evangelischen Akademie Siebenbürgen in Hermannstadt/Sibiu durchgeführt und konnte damit nach zweijährlichen Fach- und Fortbildungstagungen mit Stationen in Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei erstmals in Rumänien organisiert werden.

Gefördert wurde die international besetzte Konferenz durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Für die gastgebende Evangelische Akademie Siebenbürgen begrüßte der dortige Programmleiter Roger Parvu die über 50 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Es folgten Grußworte von Konsul Hans Erich Tischler (Deutsches Konsulat Hermannstadt), Beatrice Ungar (Chefredakteurin der Hermannstädter Zeitung) und Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten (Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW). Das Grußwort von Stefan Schmitt-Hüttebräuker (Referatsleiter K 44 bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien), der nicht persönlich anwesend sein konnte, wurde von Dr. Hans-Jakob Tebarth verlesen. Letzterer übernahm anschließend die Einführung in die Themenschwerpunkte der diesjährigen Tagung. Der Eröffnungsvortrag wurde von Dr. Gerhild Rudolf, der Leiterin des Begegnungs- und Kulturzentrums Friedrich Teutsch der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, über die Kulturgeschichte der Siebenbürger Sachsen unter besonderer Berücksichtigung des Erhalts der deutschen Sprache durch Kirche und Schule gehalten.

Das Programm folgte einer bewährten Struktur. Der erste Themenblock bestand aus Einführungs- und Übersichtsvorträgen zu Kultur und Geschichte Siebenbürgens. Den zweiten Teil bildeten Beiträge zu internationalen – in diesem Fall deutsch-rumänischen – Kooperationsmöglichkeiten unter den beteiligten Bibliotheken, Archiven und weiteren Einrichtungen. Am letzten Konferenztag wurden spezifisch bibliothekarische Fragen und Themen erörtert. Begleitend fand eine Präsentation von aktuellen Veröffentlichungen des in Hermannstadt ansässigen und auf Siebenbürgen und Rumänien spezialisierten Schiller-Verlags statt.

Die Tagung wurde durch einige Programmpunkte außerhalb der Vortragsfolge abgerundet. So wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Abend des ersten Konferenztages vom Bischof der evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, Reinhart Guib, empfangen und konnten anschließend im Rahmen einer Führung die Altstadt von Hermannstadt/Sibiu näher kennenlernen. Zudem wurde das Landeskirchliche Museum im Begegnungs- und Kulturzentrum Friedrich Teutsch sowie die Bibliothek der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt besucht.

Arkadiusz.Danszczyk

21/05 2019

Bericht über die Jahrestagung der Sektion Genealogie am 24. März 2019

Die Sektion Genealogie im AKSL hielt ihre vom Kulturreferat für Siebenbürgen geförderte Jahrestagung am 24. März 2019 am Heiligenhof zu Bad Kissingen ab, und mehr als 30 Mitglieder waren der Einladung gefolgt. Die Jahrestagung fand im Anschluss an das Seminar des Vereins für Genealogie der Siebenbürger Sachsen e.V. (VGSS) statt, so dass sich die Gelegenheit zur wechselseitigen Teilnahme an den Veranstaltungen ergab.

Nach der Begrüßung der Anwesenden durch den Sektionsleiter Dr. Robert Offner (Speichersdorf) bot Dr. Hertha Schwarz (München), 1. Vorsitzende des Arbeitskreises für donauschwäbische Familienforschung, einen kurzen Abriss zur Ansiedlung überwiegend deutschsprachiger Siedler im Banat und berichtete anschließend über die genealogische Tätigkeit der Donauschwaben und insbesondere der Banater Schwaben. Auf dem Gebiet der Familienforschung bestünden vielfältige Verbindungen zu den Siebenbürger Sachsen, genug, um die Kontakte zwischen den genealogischen Vereinen zu vertiefen. Rüdiger von Kraus (Boston, USA) berichtete vom Phänomen der Selbstadelung bzw. von den sogenannten „falschen Vons“ anhand ausgewählter Beispiele aus den USA, Deutschland und Siebenbürgen, ohne allerdings den Anspruch zu erheben, ein vollständiges Bild zu zeichnen. Vielmehr sollte die Entstehung solcher Fälle aufgezeigt werden. Andor Nagy (Erlau/Eger, Ungarn) stellte neue statistische Daten aus seiner im Entstehen befindlichen Dissertation über die verdichteten Familiennetzwerke der gesellschaftlichen Elite Kronstadts in der Zeit von 1650 bis 1750 vor. Dr. András Bándi (Hermannstadt/Sibiu, Rumänien) präsentierte den Fall des Zipser Exulanten und Hermannstädter Senators Johannes Berger († 1718). Hermann Schobel (Würzburg) erläuterte die wenig bekannte Genealogie des Familienzweiges der Sophia Regina von Brukenthal, die er mit Anni Connert (Nordheim) untersuchte. Dr. habil. Attila Verók (Erlau/Eger, Ungarn) sprach über Familien, Bücher und Genealogie sowie die Lesekultur der siebenbürgisch-sächsischen Eliten im 16. bis 19. Jahrhundert und wies auf die Bücher (in Form von Aufzeichnungen und Chroniken) als Quellen für die Familienforschung hin. Der reich bebilderte Vortrag von Helga Lutsch (Heilbronn) behandelte die Auswanderung von Agnetheln nach Amerika um das Jahr 1900.  

Neben den Vorträgen erstatteten die Projektleiter der Sektion Genealogie Bericht. Da Dr. Christian Weiss (Tübingen) an der Jahrestagung nicht teilnehmen konnte, verlas der Sektionsleiter den Bericht über das von Weiss seit über einem Jahrzehnt beharrlich betriebene und 2018 abgeschlossene Projekt „Matrikelsicherung der evangelischen Kirche in Rumänien“ und dankte Weiss für dessen unermüdliches Engagement. Den Bericht von Dr. Werner Klemm (Karlsruhe) zum Buchprojekt „Pfarrer und Lehrer der evangelischen Kirche A.B. in Siebenbürgen (1701-1850)“ trug Dr. Ingrid Schiel (Gundelsheim) vor. In den Bericht flossen auch die Zwischenergebnisse der vorangegangenen offenen Diskussion zwischen den Mitgliedern der Sektion Genealogie mit denen des VGSS mit ein. Es folgte noch ein Kurzbericht des Sektionsleiters über die Pestprotokolle von Hermannstadt (1718/1719 und 1738/1739) als mögliche genealogische Quellen für die Familienforschung. Abschließend stellte Offner den neuen Internetauftritt der Sektion Genealogie sowie fünf genealogisch relevante Bücher vor, eines davon aus der Feder des Referenten Rüdiger von Kraus (Nobili şi artizani, Bukarest 2019). Die Sektion Genealogie baut auch weiterhin auf eine enge Kooperation mit den Familienforschern des VGSS. So wurde etwa für das Buchprojekts zu den Pfarrern und Lehrern bereits im Vorfeld der Jahrestagung mit Jutta Tontsch und Dr. Dietmar Gärtner vom VGSS ein Datenaustausch und die aktive Zusammenarbeit vereinbart.

Robert Offner

20/06 2018

Internationale Fachtagung „Samuel von Brukenthal und die siebenbürgische Erinnerungskultur“

zum 200. Gründungsjubiläum des Brukenthalmuseums in Hermannstadt/Sibiu (Rumänien)

„Samuel von Brukenthal und die siebenbürgische Erinnerungskultur“ war das Thema der vom Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrate. V. in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V. Heidelberg, dem Brukenthal-Museum in Hermannstadt/Sibiu und dem Begegnungs-und Kulturzentrum Friedrich Teutsch der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien,Hermannstadt/Sibiu veranstalteten Internationalen Fachtagung vom 17. bis 18. Juni 2017, die von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wurde. Der Anlass war die Gründung des ersten öffentlichen Museums im Südosten Europas vor 200 Jahren im Jahr 1817. Es handelt sich um eine einzigartige, vielfältige und bis heute erhaltenen Sammlung aus dem Barockzeitalter, die von Samuel von Brukenthal zusammengetragen und nach seinem Tod öffentlich zugänglich gemacht wurde.

Samuel von Brukenthal (1721-1802) war die herausragende Persönlichkeit der Siebenbürger Sachsen im 18. Jahrhundert, einer nach § 96 BVFG zu fördernden Gruppe. Brukenthal gehörte nicht dem siebenbürgischen Patriziat an, sondern machte Karriere – bezeichnend für das Zeitalter des habsburgischen Absolutismus – im österreichischen Staatsdienst. Er stieg als einziger Siebenbürger Sachse vom Gubernialsekretär zum Gouverneur von Siebenbürgen (1774-1787) auf. Seine Leistungen als Verwaltungsfachmann in Wien, in der Siebenbürgischen Hofkanzlei, überzeugten Maria Theresia. Ihm waren die Probleme in Siebenbürgen aus eigener Erfahrung und Herkunft bekannt. Brukenthal blieb auch nach seinem Rückzug aus dem Amt die einflussreichste Persönlichkeit der Siebenbürger Sachsen.

Heute ist Brukenthal vor allem als Förderer von Kultur und Kunst bekannt. Zeitlebens wurden von ihm, der „barocken Sammellust“ seiner Zeit frönend, Gemälde, Kupferstiche, Bücher, Mineralien, Antiquitäten und Münzen gesammelt. Noch zu seinen Lebzeiten öffnete er sein Haus gelegentlich für ein breiteres Publikum, um ihm seine Kunstschätze zu zeigen. In seinem Testament verfügte er, dass seine Sammlungen nicht durch Erbschaft geteilt, sondern zusammengehalten und dem Evangelischen Gymnasium in Hermannstadt übergeben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Nach dem Tod des letzten männlichen Erben im Jahr 1872 gingen das Museumsgebäude und die Sammlungen in den Besitz der Evangelischen Kirche über. Fortan wurde das Museum durch Leihgaben und Schenkungen aus den umfassenden Kunstbeständen der evangelischen Kirchengemeinden Siebenbürgens bereichert. Zahlreiche kirchliche Altertümer wie Vasa Sacra aus Edelmetall, kostbare mittelalterliche Messgewänder, liturgische Manuskripte und Inkunabeln, osmanische Teppiche, gotische Skulpturen und Flügelaltäre fanden in die Sammlung Eingang. Im Jahr 1948 wurde das Museum unter kommunistischer Herrschaft verstaatlicht. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit blieb es jedoch stets der bedeutendste Kulturhort der Evangelischen Kirche und der Siebenbürger Sachsen. Im Jahr 2005 wurden Palais und Sammlungen an die Evangelische Kirche zurückgegeben. In einem Abkommen zwischen der Kirche und der rumänischen Regierung wurde vereinbart, dass die Sammlungen gemäß dem Wunsch Samuel v. Brukenthals weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleiben und die bestehende staatliche Museumsinstitution weiterhin diese Güter betreut.

Auf der Internationalen Fachtagung vom 17. bis 18. Juni 2017 im Blauen Stadthaus/Casa Albastră in Hermannstadt/Sibiu, an der zwischen 80 und 90 Personen teilnahmen, wurde zum einen die Persönlichkeit Brukenthals gewürdigt und bedeutende Details seines Lebens und Wirkens herausgearbeitet und zum anderen auf die Bedeutung der Museumsgründung und der in der Barockzeit angelegten Sammlungen hingewiesen. Die Veranstaltung wurde vom Direktor des Brukenthal-Museums Dr. Sabin Luca und dem Vorsitzenden des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landekunde e. V. Heidelberg Dr. Ulrich Andreas Wien eröffnet. Daran schloss sich der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Harald Heppner (Universität Graz) an. Er sprach über Siebenbürgen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im europäischen Kontext und hob Zäsuren und Kontinuitäten hervor.

Die insgesamt 17 Vorträge der aus Deutschland, Österreich, Rumänien, Ungarn und den Vereinigten Staaten von Amerika stammenden Referentinnen und Referenten ließen sich in vier Themenkreise einteilen: 1. „Staat – Staatsmann – Religion und Kirche“, 2. „Museumsgründung – Sammlungspolitik – Archiv“, 3. „Familienbeziehungen und wissenschaftliche Kontakte“ sowie 4. „Gartenanlagen und naturwissenschaftliche Sammlungen“. Es moderierten Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, Hansgeorg v. Killyen, Dr. Harald Roth und Ingrid Schiel.

Der Themenbereich „Staat – Staatsmann – Religion und Kirche“ wurde von Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch moderiert. Dr. Horst Erwin Schuller (Salzburg), sprach zu „Brukenthal in Wien. Sein Verhältnis zur Siebenbürgischen Hofkanzlei“. Schuller bot unter anderem einen bebilderten Rundgang durch das barocke Wien. Dr. Julia Riedel (Universität Tübingen) zeigte am Beispiel des Piaristenordens, wie sehr sich die Stellung der Orden und der Kirche zum Staat und der Gesellschaft des Habsburgerreiches wandelte. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 gelang es dem Piaristenorden in zahlreiche Jesuitenschulen nachzufolgen und zum klassischen „Schul“-orden zu werden, wenn auch in Konkurrenz zum Staat. Einzelne Piaristen fanden als Hauslehrer eine neue Aufgabe, wie die Referentin an Beispielen aus Klausenburg/Cluj-Napoca im heutigen Rumänien veranschaulichte. Prof. Dr. Paul Philippi (Hermannstadt/Sibiu) bot eine Einführung in Brukenthals Verdienste um die Stellung der Evangelischen Kirche Siebenbürgens. Dr. Kálmán Árpád Kovács (Universität Szeged) unterlegte diese Verdienste mit den religionspolitischen Sonderberichten (Seperatvoten) der 1760er und 1770er Jahre. Der Briefwechsel zwischen dem Neu-Wiener Bischof Johann Heinrich von Kerens und Brukenthal lässt die Aufrichtigkeit und Luzidität erkennen, mit der der Aufklärung verpflichtete Bischof versuchte, Brukenthal für die katholische Seite zu gewinnen. Sever Cristian Oancea (Universität Mainz) arbeitete heraus, dass es hierbei um den wahren Glauben ging. Brukenthals Antwort war sowohl dem Bischof als auch Maria Theresia gegenüber mittels seines Wahlspruches eindeutig: „Fidem genusque servabo“ (ich will meinem Glauben und meinem Volk dienen). Brukenthal verband dies mit einem freimaurerischen Engagement. Dr. Atilla Verók berichtete detailliert von Brukenthals maßgeblicher Beteiligung an der Gründung der Loge „Zu den drei goldenen Schlüsseln“ in Halle von 1743 bis 1749. Aufgrund der Bedeutung legte Verók abweichend von der ursprünglichen Planung den Focus auf die Loge in Halle. Brukenthal blieb auch in Hermannstadt den Freimaurerbrüdern verbunden.

Der nächste Themenbereich „Museumsgründung – Stiftungswesen –Sammlungen“ wurde von Ingrid Schiel moderiert. Dr. Gudrun Ittu (Hermannstadt/Sibiu), die jahrzehntelang als Kuratorin für das Museum tätig war, berichtete über dessen Gründung. Frank Thomas Ziegler (Kronstadt/Braşov) zeigte anhand der Direktoren die Wechselwirkung von Kirche und Museum auf. Er stellte die Sammlungspolitik des Museums im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor.

Im nächsten Themenbereich „Familienbeziehungen und wissenschaftliche Kontakte“, der von Dr. Harald Roth moderiert wurde, sprach Rüdiger v. Kraus (Boston) über den Siebenbürgisch-sächsischen Kleinadel im Zeitalter Brukenthals. Er illustrierte dies unter anderem anhand seiner eigenen Familie „von Kraus“. Über Brukenthals Herkunft und die Stellung seiner Familie in der siebenbürgischen Gesellschaft sowie in der sächsischen Nation referierte Dr. Lupold v. Lehsten (Bensheim). Aus der Perspektive der Mutter, die aus der Familie von Heydendorff stammte, berichtete Hansotto Drotloff (Drabenderhöhe) über die Familie Brekner von Brukenthal. Wie der Hermannstädter Pfarrer Johann Filtsch zum letzten Vertrauten Brukenthals wurde, schilderte Thomas Şindilariu. Filtsch verfasste und publizierte Samuel von Brukenthals Leichenpredigt. Rupert Graf Strachwitz (Berlin) sprach über den habsburgischen Beamtenadel und schilderte das Exzeptionelle von Brukenthals Stiftungsgründungen im Kontext seiner Zeit.

Der Themenbereich „Gartenanlagen und naturwissenschaftliche Sammlungen“ wurde von Hansgeorg v. Killyen moderiert. Dr. Mariann Juha (Universität München) erläuterte „Sammeln und Systematisieren im 18. Jahrhundert“ anhand von Beispielen aus dem „Regnum minerale“. Über Brukenthal als Förderer der Gartenkultur in Siebenbürgen sprach Prof. Dr. Erika Schneider (Raststatt). Sie stellte seine verschiedenen Projekte in den Kontext europäischer Entwicklung. Abschließend zeigte sie seine eigenen Anlagen, darunter Brukenthals Sommersitz in Freck/Avrig, der eine verkleinerte Nachbildung von Schönbrunn in Wien darstellte.

Den Abschlussvortrag hielt Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, der anhand der Traditionsbildung um die Person Brukenthals und dessen Museums die vielfältigen Wirkungen des bedeutenden Staatsmannes und vom aufklärerischen Geist geprägten Universalgelehrten aufzeigte, die bis zum heutigen Tag anhalten. Sie werden inzwischen international rezipiert.

Herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vier Ländern würdigten die Persönlichkeit Samuel v. Brukenthals und arbeiteten bedeutende Details seines Lebens und Wirkens aufgrund neuester Forschung heraus. Zugleich wurde auf die Bedeutung der Museumsgründung und auf die in der Barockzeit angelegten Sammlungen verwiesen.

I. S.

08/07 2016

Otto-Folberth-Stiftung – Archivalientitel des bedeutenden Nachlasses erstmals online recherchierbar

Anlässlich der Tagung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde e. V. in Salzburg im Jahr 1979 hatte Dr. Otto Folberth (1896-1991) die Bestände seines reichhaltigen Privatarchivs sowie Teile seiner Privatbibliothek der Siebenbürgischen Bibliothek und dem Archiv überlassen. Im März 1980 als Otto-Folberth-Stiftung eingerichtet, umfasst der Archivbestand 10 Regalmeter in 83 Bänden.

Den Schwerpunkt bildet eine umfangreiche Sammlung von eigenen und provenienzfremden Schriften zu Stephan Ludwig Roths Lebensgeschichte, dessen Schriften sowie dessen gesellschaftlichem Einfluss. Folberth gilt als bedeutendster Stephan-Ludwig-Roth-Forscher, der unter anderem eine siebenbändige Gesamtausgabe von Schriften und Briefen Roths herausgab. Einen weiteren bedeutenden Teil des Bestandes bilden Folberths eigene belletristischen Werke: Lyrik, Erzählungen, Novellen sowie drei Romane in unterschiedlichen Entstehungsstufen. Im Bestand befinden sich des Weiteren zahlreiche Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Essays, Reden und Rezensionen zu sächsischer, siebenbürgischer und osteuropäischer Kultur, Geschichte und Gesellschaft. Hinzu kommen die Kriegsberichte, die Folberth als Hauptmann der Reserve und Kriegsberichterstatter im Auftrag des rumänischen Militärs verfassen musste. Etwa ein Fünftel des Gesamtbestandes bildet seine Korrespondenz mit vielen siebenbürgischen und nicht-siebenbürgischen Persönlichkeiten aus den Jahren von 1947 bis 1978. Otto Folberth war Mitbegründer, Sekretär und Ehrenpräsident der Sektion Österreich der Forschungsgesellschaft für das Weltflüchtlingsproblem (Association for the Study oft the World Refugee Problem, Vaduz-Lichtenstein). Im Jahr 1957 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Südostdeutschen Historischen Kommission ernannt.

Eine Besonderheit bilden die Original-Tagebücher des Juristen Michael Conrad von Heydendorff d. J., der in der Komitatskanzlei in Klausenburg und als Senator und Bürgermeister von Mediasch tätig war. Sie umfassen die Jahre 1786 bis 1857 und sind ebenfalls Bestandteil der Otto-Folberth-Stiftung, da von Heydendorff ein Ahne Folberths war. Vor einigen Jahren wurden dem Archiv die Original-Tagebücher von Otto Folberth aus den Jahren 1911 bis 1986 von dessen Sohn Paul übergeben. Es handelt sich um 58 Bände, die die Alltags- und Mentalitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts dokumentieren sowie den Ersten und Zweiten Weltkrieg an der Ostfront schildern.

Aufgrund der Bedeutung des Bestandes der Otto-Folberth-Stiftung als Kulturgut der Siebenbürger Sachsen sowohl für die kulturellen Wechselbeziehungen als auch für die Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte der Siebenbürger Sachsen in Österreich und Deutschland sowie zur wissenschaftlichen Erforschung und kulturellen Vermittlung des Werkes einer bedeutenden Persönlichkeit hat sich die Heimatgemeinschaft Mediasch e.V. (HGM) entschlossen, eine digitale Neuerschließung durchführen zu lassen. Die Finanzierung erfolgte durch Paul Folberth und die HGM. Treibende Kraft des Gesamtprojekts war der ehemalige Schriftführer und jetzige Kulturreferent der HGM, Dr. Hansotto Drotloff. Für die Durchführung konnte die Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste im Archiv, Jutta Fabritius, gewonnen werden. Das Vorhaben wurde in zwei mehrmonatigen Teilzeitprojekten in den Jahren 2012 und 2015 realisiert.

Anlässlich des 120. Geburtstages von Otto Folberth am 10. Juli 2016 ist das Findbuch ab diesem Zeitpunkt erstmals online einsehbar. Alle Beteiligten empfehlen das Werk einer regen Nutzung und hoffen auf breites Interesse an diesem überaus vielseitigen und anregenden Schriftstellernachlass.

Urkundenbuch online

Nun ist es bequem und weltweit über das Internet nutzbar: Das „Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen“, eines der grossen Langzeitprojekte der landeskundlichen Forschung.

1892 erschien der erste Band, herausgegeben vom "Ausschuss des Vereines für siebenbürgische Landeskunde". Sechs weitere Bände folgten, der letzte 1992. 4687 Urkunden aus den Jahren 1191 bis 1486 waren dadurch in gedruckter Form greifbar - für alle, die das Glück haben, diese Bände in die Hand nehmen zu können.

Dieses zu verbessern war dem "Arbeitskreis für siebenbürgische Landeskunde" und seinem Vorsitzenden Dr. Ulrich Wien seit längerem ein besonderes Anliegen. In den vergangenen Monaten konnte Dr. Martin Armgart an der Universität Koblenz-Landau unter Mitarbeit von Forschern in Ungarn und Rumänien eine Online-Präsentation erarbeiten - dank der Förderung des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und mit Hilfe der Software des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universität Trier.

Zugänglich ist diese Online-Präsentation nun unter „eTransylvanica“ auf den Seiten des Siebenbürgen-Instituts, unter „eTransylvanica“: http://siebenbuergen-institut.de/special-menu/e-transylvanica/urkundenbuch-zur-geschichte-der-deutschen-in-siebenbuergen-online/ Auch eine Weiterführung des Urkundenbuches kann dann gleich in dieser Datenbank erfolgen.

Über 200 weitere Urkunden sind bereits eingestellt. Über verschiedene Suchmasken wird der Inhalt des Urkundenbuches bandübergreifend recherchierbar. Die Nutzung dieser Fleißarbeit mehrerer Generationen von Urkundeneditoren wird dadurch wesentlich leichter und von jedem Computer-Arbeitsplatz aus möglich - zum 120. Jahrestag des Erscheinen des ersten Bandes.

 


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