[1761, März]

[1761, März, Wien:] Schreiben Brukenthals über die Zusendung einer Abhandlung über die Sachsen in Siebenbürgen.

 

Orig. im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Abteilung Transsilvanica.

Empfänger ist wahrscheinlich der einer dänischen Reichsgrafenfamilie entstammende Obersthofmeister Anton Corfiz Graf Ulfeldt (1699-1769), der seit 1757 mit der Begutachtung der siebenbürgischen Angelegenheiten am Wiener Hof betraut war und 1759 Maria Theresia empfohlen hatte, eine Zusammenfassung der Anliegen der sächsischen Nation anzufordern.

Als Empfänger in Frage kommen aber auch Friedrich Wilhelm Graf von Haugwitz (1702-1765), der das 1745 gegründete und 1761 aufgehobene „Directorium in publicis et cameralibus“ geleitet hat, und Wenzel Anton Graf von Kaunitz-Rittberg (1711-1794), der dem 1760 gegründeten Staatsrat als Staatskanzler vorstand.

Die Datierung folgt dem Hinweis von G. A. Schuller am Ende dieses Dokuments. Brukenthal befand sich zur Zeit der Abfassung dieses Schriftstücks in Wien.

Bezug: Biographie, 1. Bd., S. 79f. (Anforderung dieses Schriftstücks), S. 100-104 (Abfassung und Fertigstellung in Wien), S. 155, Anm. 451. Es handelt sich um die „Denkwürdigkeiten zur Geschichte der Sachsen in Siebenbürgen“ (siehe Dokument Nr. xxx).

[Notizen des Kopisten am Anfang des Dokuments:]

März 1761
Bruk.
Brief.
(Eigenhändig)
Orig. K. K. H- H- u. St.-A. in Wien
Abt. Transsilvanica

[Notizen des Kopisten am Ende des Dokuments:]
Datumlos, Inhalt u. Zusammenhang nebst einer datierten Eingabe an d. gl. Adresse lässt obige Datierung annehmen.

 

[S. 1]

Ihro Hoch Gräfliche Excellentz

Hochgebohrner Reichs-Graf,

Gnadigster Herr Herr!

Euer Hoch-Gräfliche Excellentz erkühne ich mich eine kurtze Abhandlung von den Sachsen in Siebenbürgen unterthänigst zu überreichen. Ich hatte mir darinnen vorgesetzt, ihren Ursprung, die Freiheiten, zu denen sie beruffen wurden, ihre Verdienste, und die dadurch erworbene viele Gnadenbezeugungen ihrer ehemaligen Fürsten, ihren Verfall, und vornehmlich die Ursachen ihrer Schulden aus unleugbaren Urkunden herzuleithen. Dieses Vorhaben hat mich ohnvermerkt auf die vielen Abwechslungen, und grosen Veränderungen geführet, welche besonders in dem vorigen Jahrhundert in dem Fürstentum Siebenbürgen, und haubtsachlich in der Sachsischen Nation vorgegangen sind, und daraus ist diese Arbeit erwachsen. Ich unterstehe mich zu hoffen, Euer Hoch Gräfliche Excellentz werden darinnen viele rühmliche Vorgänge zur Ehre unserer Vorfahren und zum Trost des gegenwärtigen und künftigen Alters antreffen. Euer Hoch Gräfliche Excellentz werden erlauchtest einzusehen geruhen, daß die Nation den Endzweck ihrer Bestimmung in den älteren Jahren glüklich erreichet, und daher die Gnädigsten Zeugnisse der Ungarischen Könige verdienet habe; daß sie sich in den neuern Zeiten von jeher allemahl mit der vollkommensten Ergebenheit, und der unwandelbarrsten Treue dem Allerdurchlauchtigsten Hauß Österreich gewidmet habe, u. daß sie daher in den bedenklichsten Umständen mitten in den grösten Unruhen und Zerrüttungen jeder Zeit mehr ihren redlichen Eyfer, u. die Regungen der Treue, als das Kenner ihrer geschwächten Kräffte zu Rate gezogen, und folglich, wo diese nicht zureichend waren, selbst mit aufgenommener fremder Hülfe, den Dienst zu befördern getrachtet habe. Euer Hoch Gräfliche Excellentz geruhen weiter gnädigst wahrzunehmen, daß eine so lange Reyhe unseeliger Begebenheiten, als die vielen Einfälle der Feinde, die einheimischen Kriege, und die innerliche Zerrüttungen waren, welche Siebenbürgen so offt verwüstet haben, die Nation nothwendig an den Rand des Untergangs bringen müssen, und daß die lange Bebürdung, worunter sie selbst in unsern Zeiten, so offt die bittersten Klagen ausgeschüttet, sie nie einer gewissen Entkräfftung gehalten, die es ihr unmöglich gemacht hat, empor zu kommen, daß sie endlich in der wenigen zwischen Zeit besserer Umstände alle ihre Kräffte [zu[1]] sammen genommen, u. von sich selbsten angetrieben wenigstens zwey Drittheil […1] Schulden von sich abgewältzet habe. Es scheint es rühre dieses nebst der Göttlichen Vo[rsehung] von der Weisheit ihrer innerlichen Verfassung her, von einer Haushaltung, die s[ie] in den bösesten Zeiten die Probe gehalten, u. zuwege gebracht hat, daß sie sich über alle diese Wiederwärtigkeiten gehoben, ohne sich einer Arth der Verzweiflung zu überlassen, die in dergleichen Umständen so gewohnlich ist, u. sie untüchtig gemacht hätte, vor sich u. ihre Nachkommenschafft einige Achtung zu haben. Euer Hoch Gräfliche Excellentz erlauben Gnädigst, daß ich meine ehemalige Bitte unterthänigst wiederhohle, u. um die Herstellung der alten Verfassung in der Nation flehe, die bey den jetzigen neuern Einrichtungen, welche die Bebürdung gröstentheils gehoben, u. in den Abgaben eine deren Kräften gemäßere Eintheilung festgesezet hat, die zuversichtliche Hofnung giebt, sie würde die Schulden in einer kurtzen Zeit, u. in dem Verlauf weniger Jahre völlig tilgen. Ich habe die Gnade, mit der tiefsten Unterthänigkeit zu ersterben

Euer Hoch-Gräfliche Excellentz

unterthänigster Knecht

Samuel von Brukenthal.

 


[1] Vorlage eingerissen, Lücke.


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Empfohlene Zitierweise:

Quellen zur Geschichte Samuels von Brukenthal. Aus dem Nachlass von Georg Adolf Schuller, hg. von Konrad Gündisch und Jonas Schwiertz, 2022.
URL:  https://siebenbuergen-institut.de/1761-3-0-1 (Stand: 8. April 2022).

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