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Willkommen beim Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg!

07/10 2017

Schloss Horneck – der Sachstand im Sommer 2017

Das Projekt Schloss Horneck zu einem Kultur- und Begegnungszentrum der Siebenbürger Sachsen in Deutschland“, für das der Deutsche Bundestag im Dezember 2016 1,9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hatte und dessen Umsetzung von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Prof. Monika Grütters, koordiniert wird, hält die Verantwortlichen seit Monaten auf Trab. Ein Nutzungskonzept, das die drei Säulen Museum, Institut und Begegnung miteinander verknüpft, wurde erarbeitet, desgleichen ein langfristiges Betriebskonzept, das die Rentabilität der Maßnahmen nachweist. Der Raumbedarf wurde konkretisiert und von den verantwortlichen Architekten in Abstimmung mit dem Schlossvereinsvorstand, Mitgliedern der Carl-Wolff-Gesellschaft und einem Team, dem Dr. Axel Froese, Dipl.-Ing. Hartmut Gündisch, Gwendoline Roth und Dipl.-Ing. Werner Zacharides angehören, in konkrete Pläne gegossen. Ein Marketingkonzept entwarf Heidrun Negura, die sich zusammen mit Dipl.-Designer Lucian Binder Catana auch um eine professionelle Außendarstellung bemüht.

Wichtige Meilensteine für die Projektabwicklung waren eine Projektbesprechung im Januar und ein Koordinierungsgespräch im Juli 2017, an denen verantwortliche Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen teilgenommen haben, die für dieses Projekt verantwortlich sind: Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Innenministerium Baden-Württemberg, Betriebsleitung Bundesbau bei der Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Landratsamt Heilbronn, Stadt Gundelsheim, Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Siebenbürgisch-Sächsischer Kulturrat, Siebenbürgisches Museum und Siebenbürgisches Kulturzentrum „Schloss Horneck“. Meilensteine markieren unterschiedliche Projektphasen und helfen, die richtigen Schritte zeitgerecht zu tun, Fehlentwicklungen aber zu vermeiden. Genau diesen Zielen dienten diese Besprechungen, die offen, konstruktiv und zielführend verlaufen sind.

Die Architekten sowie Fachleute für vorrestauratorische Untersuchungen, für Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektrik, für Statik, Brandschutz und vieles mehr unterzogen das Schloss einer genauen Überprüfung und gaben Empfehlungen für die anstehenden Um- und Ausbauarbeiten, die dann im Spätherbst 2017 auch begonnen werden sollen.

Gleichzeitig hat sich Schloss Horneck in der Region eingebracht, durch gemeinsame Veranstaltungen mit der Stadt Gundelsheim (Weihnachtsmarkt, 1250. Stadtjubiläum), durch Interviews und Berichterstattungen in der „Rhein-Neckar-Zeitung“, in der „Heilbronner Stimme“, der „Siebenbürgischen Zeitung“ und der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ sowie auf den Homepages des Schlosses (www.schloss-horneck.de), des Siebenbürgischen Museums und des Siebenbürgen-Instituts.

Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch

14/03 2017

Presseerklärung

Ende Januar 2017 wurden seitens der Gruppe "CopyPaste" Vorwürfe erhoben, bei dem Buch „A Short Prehistory of Transylvania“, für das Univ.-Prof. Dr. Sabin Adrian Luca, der derzeitige Generaldirektor des Brukenthal-Museums Hermannstadt, als Autor zeichnet und das im Verlag des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde 2006 erschienen ist, handele es sich zumindest teilweise um ein Plagiat. Der geschäftsführende Vorstand des AKSL hat daraufhin umgehend über das Evangelische Stadtpfarramt A.B. Hermannstadt als Eigentümer der Brukenthal-Sammlungen im Verwaltungsrat des Museums um Klärung des Sachverhalts angesucht. Inzwischen wurde von Wissenschaftlern aus Rumänien die Ethikkommission der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt eingeschaltet, an der Herr Luca lehrt. Eine Antwort steht unseres Wissens noch aus. Auch in den Medien wurde auf diesen Vorwurf aufmerksam gemacht.

Das in Frage stehende Buch ist im Kontext einer Lehrtätigkeit von Herrn Luca an der Universität Tübingen entstanden. Der AKSL ist dabei auf Ansuchen von Herrn Luca als Mit-Verlag neben einem rumänischen Verlag aufgetreten, um dadurch den Zugang zum deutschen Buchhandelsnetz zu eröffnen. Der Titel war von 2006 bis etwa 2014 als lieferbar gelistet. Die Anzahl der verkauften Exemplare ist nicht mehr feststellbar, der Titel selbst ist an mindestens 15 deutschen Bibliotheken nachgewiesen.

Ungeachtet dieses Vorgangs, der dringend einer Klärung zugeführt werden muss, hält der AKSL an einer engen Kooperation mit dem Brukenthal-Museum fest und plant seine wissenschaftliche Arbeitstagung im Juni 2017 aus Anlass des 200. Gründungsjubiläums dem Museum zu widmen.

 

La finele lunii ianuarie 2017 grupul „CopyPaste“ a reproșat cărții „A Short Prehistory of Transylvania“, a cărei autor este prof. univ. dr. Sabin Adrian Luca, director general al Muzeului Național Brukenthal din Sibiu, și care a apărut în co-editura Cercului de Studii Transilvane (Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde - AKSL) în anul 2006, că ar fi, cel puțin în parte, plagiată. Consiliul de conducere a Cercului AKSL s-a adresat imediat - prin intermediul Parohiei Evanghelice C.A. din Sibiu, proprietara cladirii si a unei părți importante a colecțiilor Brukenthal - Consiliului administrativ al Muzeului National cerând clarificarea acuzației.

Între timp, oameni de știință din România au apelat în același sens la Comisia de etică a Universității „Lucian Blaga“ din Sibiu, unde d-l Luca este profesor. Un răspuns încă n-a fost dat, după cunoștiințele noastre.

Cartea în cauză a fost scrisă în contextul unor prelegeeri ținute de d-l Luca la universitatea din Tübingen. Cercul AKSL a devenit co-editor a cărții la cererea d-lui Luca, pentru a-i deschide calea spre dstribuirea ei în librăriile germane. Titlul a fost distribuit între anii 2006 și 2014. Numărul exemplarelor vândute nu mai poate fi reconstruit; cartea se află în posesia a cel puțin 15 biblioteci germane.

Indiferent de această situație, care trebuie clarificată urgent, Cercul de Studii Transilvane (AKSL) dorește o colaborare strânsă cu Muzeul Național Brukenthal și pregătește în iunie 2017 la Sibiu o sesiune științifică dedicată jubileului a 200 de ani de la întemeierea Muzeului.

09/03 2017

Lost Places – Shared Spaces

Bericht vom 16. internationalen und interdisziplinären Workshop für Nachwuchswissenschaftler zur Kultur und Geschichte des Donau-Karpatenraums vom 23. und 24. November 2016 in Bad Kissingen

Das Institut für deutsche Kultur und Geschichte der Deutschen im südöstlichen Europa an der Ludwig-Maximilans-Universität München (IKGS), das Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg (SI) sowie die Akademie Mitteleuropa (AME) veranstalteten am 23. und 24. November 2016 einen Workshop für Nachwuchswissenschaftler mit einem erkenntnisleitenden Zugang Lost Places – Shared Places zu Themen gemeinsamer Kultur und Geschichte Ostmitteleuropas. Im Rahmen des Workshops stellen Studierende und Promovierende ihre laufenden Projekte vor, die sich räumlich mit jenen Gebieten Ostmittel- und Südosteuropas befassen, wo auch deutschsprachige Gemeinschaften existieren oder existiert haben. Thematisch kamen die Lehramtsprüfungs-, Master- und Doktorarbeiten aus dem Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften, Geschichte: Kirchen-, Zeit- und Beziehungsgeschichte, Erinnerungskulturen, Denkmalschutz, Gegenwartskunst, vergleichende Archivgesetzgebung. Die neun Nachwuchswissenschaftler, die sich mit je einem Exposé und einer Biographie hatten bewerben müssen, beschäftigten sich mit Themen aus den Gebieten der heutigen Ukraine, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Polen, Slowenien, Österreich und Deutschland. Zum Teil erstellen sie ihre Anschlussarbeiten an deutschen Hochschulen, zum Teil an ausländischen. Die Veranstalter hatten den Worshopteilnehmern Fachleute aus den eigenen Reihen und von auswärts zur Seite gestellt. Die Sektion Siedlungs- und Kunstgeschichte wurde von Dr. Juliane Brandt (IKGS) und Dr. Marco Bogade (AME), die Sektion Geschichte Südosteuropas, Soziologie, Erinnerungskulturen von Ingrid Schiel (SI) und Dr. Juliane Brandt, die Sektion Literaturwissenschaft und Geschichte Osteuropas von PD Dr. Frank Schuster (Universität Giessen) und Dr. Marco Bogade und die Sektion Archivwesen von Mag. Thomas Just (Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien) geleitet. Alle Sektionsleiter waren die ganze Zeit anwesend. Ihnen oblag die Vorstellung der Teilnehmenden und die Diskussionsleitung. Die Veranstaltung wurde gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Melinda Harlov, Budapest, arbeitet seit 2013 an der Eötvös Loránd Universität in Budapest an ihrer Dissertation über „Die Einrichtung von UNESCO-Welterbestätten am Beispiel der dörflichen Architektur der deutschen Minderheit in Ungarn“. Neben theoretischen Zugängen untersucht Harlov die politischen und rechtlichen Aspekte des Kulturgüterschutzes. Die Welterbekonvention stammt von 1985 und wurde in Ungarn 2011 ratifiziert. Die dörfliche Architektur war lange Zeit nicht im Blickfeld des Denkmalschutzes und ebenso unachtsam gingen die Bewohner damit um. Die Dorfensembles und Gebäude galten lange Zeit als nicht wertvoll und schützenswert. Seit 1970 gab es jedoch regelmäßige Konferenzen zur Erforschung und zum Schutz der ländlichen Architektur. Für die ungarische Forschung existierte seither ein besonderes Interesse die Hausformen und Lebensstile der verschiedenen ethnischen Gruppen und ihr Zusammenleben interdisziplinär zu untersuchen. Die Häuserarchitektur spiegelt das soziale Leben. Konkret untersucht Harlov zwei dörflich geprägte Kulturlandschaften, einmal die grenzüberschreitende Welterberegion um den Neusiedler See und die Welterbestätte Hollókő im Norden Ungarns. Neben umfangreichem Literaturstudium sind auch qualitative und quantitative empirische Untersuchungen geplant, um das soziale Leben der deutschen Gemeinschaften in Ungarn zu erforschen.

„Postmoderne Ruinen als Objekte in der Gegenwarts-Fotografie“. Diese von Lyubov Illyenko an der Universität Augsburg angesiedelte kunstgeschichtliche Masterarbeit beschäftigt sich mit der Fotografie sowie neuer durch die Digitalisierung möglicher Kunstformen, wie Video- und Filmen, von „modernen“ Ruinen, d.h. durch Kriegsereignisse und Gewalt zerstörter neuer Gebäude am Beispiel des Krieges in der Ostukraine. Moderne Architekturruinen lassen sich als Neuerfindung und Neuzugänge zur Gegenwart interpretieren und sind Teil von historisierenden Tendenzen in der Gegenwartskunst mit den Themen „Zerstörte Moderne“ und „Zerfallende Utopien“. Die Untersuchung der Zusammenhänge der Ruinen-Fotografie und der Fotografie des kapitalistischen Realismus (capitalist realism) stellt mehr Fragen als Antworten.

Alexandra Bordon, Waldshut-Tiengen, plant eine Fortsetzung ihrer an der Universität Heidelberg einzureichende Abschlussarbeit für das Lehramtsstudium über die „Landler – Hintergründe und langfristige Auswirkungen der Transmigration österreichischer Geheimprotestanten nach Siebenbürgen im 18. Jahrhundert nachgezeichnet an ausgewählten Sendbriefen Joseph Schaitbergers“. Gegenstand dieser Arbeit war die Darstellung der Geschichte der Landler, einer österreichischen Minderheit, die aufgrund ihres protestantischen Glaubens im 18. Jahrhundert in das heutige Rumänien deportiert wurde. Aus kirchengeschichtlicher und politischer Perspektive wird dargelegt, welchen Bedingungen diese Deportation vom katholischen Salzkammergut in das religiös tolerantere Gebiet unterlag. Um die jeweiligen Geschehnisse greifbarer zu machen, wird auf Sendbriefe eines Zeitzeugen, Joseph Schaitbergers, zurückgegriffen.

Anne-Christine Hamel, Utrecht, plant am Historischen Seminar der Universität Leipzig eine Dissertation zu „Selbstverständnis und Herausforderungen der organisierten Vertriebenenjugend unter dem Dach der „Deutschen Jugend des Ostens (DJO).“ Sie widmete sich in ihrem Vortrag dem Integrationsprozess der jungen Generation Heimatvertriebener aus den ehemaligen deutschen Ost- und Siedlungsgebieten. Am Beispiel der DJO veranschaulichte sie, wie Heimatverlust, Vertreibungserfahrungen sowie alltägliche Stigmatisierung innerhalb der Aufnahmegesellschaft die jungen deutschen Heimatvertriebenen in ihrer Entwicklung prägten und zum organisierten Zusammenschlusses unter einer gemeinsamen Dachorganisation führten. Anhand verbandsinterner Ziele und Entwicklungen zeigte sie schließlich auf, wie die starke Heterogenität der innerhalb der DJO vereinten Gruppen, der kontinuierliche Kampf um Akzeptanz, der intergenerationelle Wandel sowie die zunehmende Diskrepanz von verbandsinternen Zielen und gesellschaftspolitischer Wirklichkeit einen langfristigen Paradigmenwechsel förderten und zur grundlegenden Umgestaltung des Verbandes führten.

Vatroslav Župančić, Zagreb, plant an der Universität Tübingen eine Dissertation mit dem Titel: „Evangelische Seelsorge für deutsche Flüchtlinge und Vertriebene aus Jugoslawien 1945-1975.“ Die deutsche Minderheit in Jugoslawien zählte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs rund 500.000 Personen. Ungefähr ein Fünftel der Deutschen in Jugoslawien waren evangelisch. Die Deutsche Evangelische Kirche in Jugoslawien war staatlich anerkannt. Die Deutschen wurden nach der kommunistischen Machtergreifung unter Josip Broz Tito vertrieben. Nach 1945 wurde die Evangelische Kirche als feindliche deutsch-faschistische Organisation eingestuft und ihr Eigentum beschlagnahmt. Der Bischof wurde verhaftet und hingerichtet. Die evangelischen deutschen Heimatvertriebenen gründeten noch vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland – als das alliierte Koalitionsverbot galt – Hilfswerke unter dem Dach der Diakonie. Der Fokus der Arbeit richtet sich auf die Erforschung der Seelsorge an dieser Gruppe. Quellen hierzu findet man in den Archiven dieser Hilfswerke, bei kirchlichen Stellen, wissenschaftlicher Dokumentations- und Forschungseinrichtungen, vor allem in Süddeutschland. Das Dissertationsvorhaben soll einen Beitrag zur Geschichte von Deutschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, mit dem Schwerpunkt auf die evangelische Glaubensgemeindegruppe leisten. Der Untersuchungszeitraum sind die Jahre von 1945-1975.

Teresa Willenborg, Historisches Seminar der Universität Hannover, stellte ihr Dissertationsprojekt vor: „Die deutsche Bevölkerung in Niederschlesien nach 1948“. Auf der Konferenz in Potsdam 1945 haben die Siegermächte die ehemaligen preußischen Ostprovinzen östlich von Oder und Lausitzer Neiße dem polnischen Staat zuerkannt. Eine rasche Eingliederung der Nord- und Westgebiete in den polnischen Staat setzten politische und gesellschaftliche Prozesse in Gang, die den Charakter dieses Raumes veränderten. Im Jahre 1948 – nach einer weitgehend abgeschlossenen Aussiedlung der deutschen Zivilbevölkerung, blieben in Polen ca. 250.000 Deutsche zurück. Die größten Ansiedlungen waren um Breslau, der Industrieregion Waldenburg sowie in den Woiwodschaften Köslin und Stettin. Das Promotionsvorhaben beschäftigt sich mit der Frage, wie die deutsche Restbevölkerung den tiefgreifenden, politischen und gesellschaftlichen Wandel bis in die 1960-er Jahre in Niederschlesien erlebt hat. Vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, soll untersucht werden, welchen Handlungs- und Gestaltungsspielraum den deutschen Niederschlesiern verblieb, ob und wie es der verbliebenen deutschen Bevölkerung gelang, sich in Polen zu integrieren, ob und inwiefern sich zwischen Deutschen und Polen neue soziale und nachbarschaftliche Strukturen entwickelten. Anhand von Briefen, Tagebüchern und Erinnerungsberichten sollen Einstellungen, Mentalitäten sowie Selbst- und Situationsbeschreibungen der Deutschen rekonstruiert werden. Ergänzend zu den autobiografischen Dokumenten sind für die Aufarbeitung der individuellen Lebensgeschichten narrative Interviews geplant.

Csongor Kiss, Doktorand im Fach Literaturwissenschaften an der Eötvös Loránd Universität in Budapest, befasste sich mit Herta Müllers Gulagerzählung „Atemschaukel“ im Kontext der gewaltsamen Migrationen im 20. Jahrhundert in Ostmitteleuropa. Diese Kontextualisierung verweist einerseits auf die Erweiterung und Wiederherstellung einer erzähltheoretischen Perspektive sowie des gedanklichen und medialen Rahmens, durch welche Geschichtsschreibung, Literaturstudien und bildende Kunst kollektive und individuelle Traumata zu verstehen und zu bewältigen versucht. Kiss beabsichtigt eine Neubewertet der konventionellen Gulagerzählungen. Zugleich sollen die Opfer und Fluchtgeschichten der deutschen Minderheiten in Ostmitteleuropa während und nach dem Zweiten Weltkrieg ins Licht gerückt werden.

Mit dem „Rakoczy-Kult“ in Bad Kissingen beschäftigte sich Elisabeth Bán, Andrássy Universität Budapest. Im Rahmen einer Masterarbeit soll „Das Bild des Fürsten Franz II. Rákóczi in der deutschsprachigen Literatur und in Bad Kissingen“ untersucht werden. Das „turbulente Wesen“ des Fürsten Franz II. Rákóczi, des Anführers des ungarischen Freiheitsaufstandes 1703–1711, erlangte in ganz Europa großen Ruhm. Sein Ruf kam auch im unterfränkischen Bad Kissingen an, was dazu führte, dass
eine der bekanntesten Heilquellen nach ihm benannt wurde. Zur theoretischen Grundlage der Untersuchungen dient der Begriff des kollektiven Gedächtnisses. Im ersten Teil der Arbeit wird dargestellt, wie sich kollektive Identität herausbildet und was unter Erinnerungskultur(en) verstanden wird. Im nächsten Schritt soll das Bild der siebenbürgischen Fürstenfamilie Rákóczi in der deutschsprachigen Literatur, besonders des 17. und 18. Jahrhunderts untersucht werden. Anhand literarischer Werke wird das Image der Rákóczis rekonstruiert. Es soll herausgefunden werden, wie die Kissinger Brunnen Rakoczy und Pandur zu ihren Namen kamen und welche Rolle dabei der Ruhm des Fürsten Franz II. Rákóczi spielte. Anschließend soll der „Rakoczy-Kult“ mit dem seit über 60 Jahren in der Kurstadt gefeierten Rakoczy-Festes mit der Frage konfrontiert werden, ob Bad Kissingen als ein Erinnerungsort verstanden werden kann?

In dem Beitrag „Österreichische Archivgesetzgebung als ein Modell für slowenische zeitgenössische Reglungen?“ von Blaž Habjanič, Marburg an der Drau/Maribor, handelt es sich um einen Vergleich der gegenwärtigen slowenischen und österreichischen Archivgesetzgebung. Beide Länder haben bis zum Ende des Ersten Weltkriegs eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte und Verwaltung. In der Zeit der Zugehörigkeit Sloweniens zu Jugoslawien mit einem anderen politischen und administrativen System, sind auch in der Archivgesetzgebung und Archivpraxis Spuren geblieben. Der Umfang des slowenischen Archivgesetzes ist im Vergleich zu den entsprechenden Vorschriften im Ausland ziemlich umfangreich und detailliert, vor allem weil es die Herausforderung der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Archive angenommen hat. Das österreichische Archivgesetz hat nur 13 Artikel und größeren Freiräume für Experten. Es ist zuletzt 1999 novelliert worden: Die Digitalisierung hat darin noch keinen Niederschlag gefunden. Insofern ist ein Vergleich der reinen Gesetzestexte wenig erhellend und aufklärend.

Der theoretische Zugang durch das Konzept Lost Spaces – Shared Spaces ließ sich in hervorragender Weise auf den Workshop anwenden und verdient weiterverfolgt zu werden. Obwohl die erforschten Thematiken den unterschiedlichsten Disziplinen zugeordnet werden können, war ein gemeinsamer Austausch unter den Teilnehmenden und auswärtigen Betreuenden über Fachgrenzen hinweg möglich und wurde als Bereicherung und Bestärkung erfahren. Als einer der wichtigsten Aspekte des Treffens wurde die Möglichkeit zur Vernetzung mit Personen und Institutionen hervorgehoben. Es ist eine Fortsetzung der Reihe gedacht, wobei wieder ein Alternieren der Veranstaltungsorte und der Organisation unter den Veranstalten angedacht ist.

Kontakt: Gustav Binder, Akademie Mitteleuropa e.V., Alte Euerdorfer Straße 1, 97688 Bad Kissingen, Telefon: 0971 – 714 714, E-mail: studienleiter@heiligenhof.de

08/07 2016

Otto-Folberth-Stiftung – Archivalientitel des bedeutenden Nachlasses erstmals online recherchierbar

Anlässlich der Tagung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde e. V. in Salzburg im Jahr 1979 hatte Dr. Otto Folberth (1896-1991) die Bestände seines reichhaltigen Privatarchivs sowie Teile seiner Privatbibliothek der Siebenbürgischen Bibliothek und dem Archiv überlassen. Im März 1980 als Otto-Folberth-Stiftung eingerichtet, umfasst der Archivbestand 10 Regalmeter in 83 Bänden.

Den Schwerpunkt bildet eine umfangreiche Sammlung von eigenen und provenienzfremden Schriften zu Stephan Ludwig Roths Lebensgeschichte, dessen Schriften sowie dessen gesellschaftlichem Einfluss. Folberth gilt als bedeutendster Stephan-Ludwig-Roth-Forscher, der unter anderem eine siebenbändige Gesamtausgabe von Schriften und Briefen Roths herausgab. Einen weiteren bedeutenden Teil des Bestandes bilden Folberths eigene belletristischen Werke: Lyrik, Erzählungen, Novellen sowie drei Romane in unterschiedlichen Entstehungsstufen. Im Bestand befinden sich des Weiteren zahlreiche Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Essays, Reden und Rezensionen zu sächsischer, siebenbürgischer und osteuropäischer Kultur, Geschichte und Gesellschaft. Hinzu kommen die Kriegsberichte, die Folberth als Hauptmann der Reserve und Kriegsberichterstatter im Auftrag des rumänischen Militärs verfassen musste. Etwa ein Fünftel des Gesamtbestandes bildet seine Korrespondenz mit vielen siebenbürgischen und nicht-siebenbürgischen Persönlichkeiten aus den Jahren von 1947 bis 1978. Otto Folberth war Mitbegründer, Sekretär und Ehrenpräsident der Sektion Österreich der Forschungsgesellschaft für das Weltflüchtlingsproblem (Association for the Study oft the World Refugee Problem, Vaduz-Lichtenstein). Im Jahr 1957 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Südostdeutschen Historischen Kommission ernannt.

Eine Besonderheit bilden die Original-Tagebücher des Juristen Michael Conrad von Heydendorff d. J., der in der Komitatskanzlei in Klausenburg und als Senator und Bürgermeister von Mediasch tätig war. Sie umfassen die Jahre 1786 bis 1857 und sind ebenfalls Bestandteil der Otto-Folberth-Stiftung, da von Heydendorff ein Ahne Folberths war. Vor einigen Jahren wurden dem Archiv die Original-Tagebücher von Otto Folberth aus den Jahren 1911 bis 1986 von dessen Sohn Paul übergeben. Es handelt sich um 58 Bände, die die Alltags- und Mentalitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts dokumentieren sowie den Ersten und Zweiten Weltkrieg an der Ostfront schildern.

Aufgrund der Bedeutung des Bestandes der Otto-Folberth-Stiftung als Kulturgut der Siebenbürger Sachsen sowohl für die kulturellen Wechselbeziehungen als auch für die Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte der Siebenbürger Sachsen in Österreich und Deutschland sowie zur wissenschaftlichen Erforschung und kulturellen Vermittlung des Werkes einer bedeutenden Persönlichkeit hat sich die Heimatgemeinschaft Mediasch e.V. (HGM) entschlossen, eine digitale Neuerschließung durchführen zu lassen. Die Finanzierung erfolgte durch Paul Folberth und die HGM. Treibende Kraft des Gesamtprojekts war der ehemalige Schriftführer und jetzige Kulturreferent der HGM, Dr. Hansotto Drotloff. Für die Durchführung konnte die Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste im Archiv, Jutta Fabritius, gewonnen werden. Das Vorhaben wurde in zwei mehrmonatigen Teilzeitprojekten in den Jahren 2012 und 2015 realisiert.

Anlässlich des 120. Geburtstages von Otto Folberth am 10. Juli 2016 ist das Findbuch ab diesem Zeitpunkt erstmals online einsehbar. Alle Beteiligten empfehlen das Werk einer regen Nutzung und hoffen auf breites Interesse an diesem überaus vielseitigen und anregenden Schriftstellernachlass.

Urkundenbuch online

Nun ist es bequem und weltweit über das Internet nutzbar: Das „Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen“, eines der grossen Langzeitprojekte der landeskundlichen Forschung.

1892 erschien der erste Band, herausgegeben vom "Ausschuss des Vereines für siebenbürgische Landeskunde". Sechs weitere Bände folgten, der letzte 1992. 4687 Urkunden aus den Jahren 1191 bis 1486 waren dadurch in gedruckter Form greifbar - für alle, die das Glück haben, diese Bände in die Hand nehmen zu können.

Dieses zu verbessern war dem "Arbeitskreis für siebenbürgische Landeskunde" und seinem Vorsitzenden Dr. Ulrich Wien seit längerem ein besonderes Anliegen. In den vergangenen Monaten konnte Dr. Martin Armgart an der Universität Koblenz-Landau unter Mitarbeit von Forschern in Ungarn und Rumänien eine Online-Präsentation erarbeiten - dank der Förderung des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und mit Hilfe der Software des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universität Trier.

Zugänglich ist diese Online-Präsentation nun unter „eTransylvanica“ auf den Seiten des Siebenbürgen-Instituts, unter „eTransylvanica“: http://siebenbuergen-institut.de/special-menu/e-transylvanica/urkundenbuch-zur-geschichte-der-deutschen-in-siebenbuergen-online/ Auch eine Weiterführung des Urkundenbuches kann dann gleich in dieser Datenbank erfolgen.

Über 200 weitere Urkunden sind bereits eingestellt. Über verschiedene Suchmasken wird der Inhalt des Urkundenbuches bandübergreifend recherchierbar. Die Nutzung dieser Fleißarbeit mehrerer Generationen von Urkundeneditoren wird dadurch wesentlich leichter und von jedem Computer-Arbeitsplatz aus möglich - zum 120. Jahrestag des Erscheinen des ersten Bandes.

 


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