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21. Siebenbürgische Akademiewoche

27. Dezember 2006 bis 2. Januar 2007 in Morsbach bei Eichstätt

"Kulturgeschichte Siebenbürgens"

Genau zwanzig Jahre nach ihrer Konstituierung fand in der Woche zum Jahreswechsel die 21. Siebenbürgische Akademiewoche von Studium Transylvanicum unter dem Titel „Kulturgeschichte Siebenbürgens“ statt. Das abwechslungsreiche Tagungsprogramm bot eine bunte Mischung zwischen wissenschaftlichen Aktivitäten und den Neujahrsfeierlichkeiten. Unter den zahlreichen neuen Teilnehmern waren in diesem Jahr auch erfreulich viele aus Siebenbürgen angereist.

Im hellen, modernen und warmen Selbstversorger-Freizeitheim wurden alle Ankommenden von einem perfekt eingespielten Logistik-Team begrüßt: Jürgen Binder, Katja Lasch und Thomas Şindilariu hatten bereits im Vorfeld zahlreiche Autofahrten unternommen, um sämtliche Kühlschränke zu füllen. Aufgrund erhöhter Teilnehmer-Fluktuation mussten sich die wenigen Autofahrer auch während der gesamten Akademiewoche immer wieder aus den spannendsten Referaten lösen, um Transferdienste zum Bahnhof zu übernehmen.

Den Reigen der Referate eröffnete am 28.12. Dr. Irmgard Sedler (Kornwestheim), die über die Anfänge moderner Malerei in Siebenbürgen im Spiegelbild neuer gesellschaftlicher Befindlichkeiten sprach. Als Vergleichsgrößen hatte sie die Städte Nágybanya und Kronstadt ausgewählt. Das ausgezeichnete Bildmaterial, welches den Vortrag illustrierte, unterstrich die Aussage, dass sich siebenbürgische Maler gleichzeitig als Europäer und Siebenbürger verstanden.

Einblicke in die „Agri-Kultur“ der Siebenbürger Sachsen gab im Anschluss Birgit Fleischer (Klitten). Ihr Vortrag vermittelte ein Bewusstsein für die engen Zusammenhänge, die zwischen der Kulturgeschichte und den landwirtschaftlichen Entwicklungen in Siebenbürgen bestehen.

Das „aktuelle Referat“ hielt Uwe Konst (Mainz) zum buchstäblich aktuellen EU-Beitritt Rumäniens 2007. Er bilanzierte den mühsamen Reformprozess der vergangenen Jahre und entwarf insgesamt ein zuversichtliches Bild der rumänischen Wirtschaftstransformation.

Im vierten Beitrag des Tages stellte Silvia Popa (Marburg/Kronstadt) den Tugendzyklus in der Schwarzen Kirche zu Kronstadt vor. Es gelang ihr, die zehn Tugendtafeln des Schneidergestühls weitaus plastischer vor Augen zu führen, als es die Lichtverhältnisse bei einem Besuch vor Ort zugelassen hätten.

Am 29.12. referierte Dr. Zsuzsanna Möller-Török (Budapest) über Landeskundevereine in Siebenbürgen im 19. Jahrhundert und ging dabei besonders auf konkurrierende Wissenschaftstraditionen der Ungarn, Deutschen und Rumänen im sozio-politischen Umfeld ein. Als besonders beachtlich stellte sich die Ambivalenz von Wissenszunahme bei gleichzeitiger Vertiefung der Gräben zwischen den ethnischen Gruppierungen Siebenbürgens dar.

Der nächste Vortrag schloss sich thematisch an: Tiberiu C. Clujeanu (Bukarest) sprach über sächsische, ungarische und rumänische Landeskundevereine in Siebenbürgen vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zu ihrer Auflösung und stellte damit die Relevanz der Landeskundevereine in das Licht der jüngeren Vergangenheit.

Der Nachmittag bot zwei kunsthistorische Beiträge. Dr. Helga Fabritius (Dalheim) stellte das theologische Programm und die Historiographie der Wandmalereien in der Honigberger Kapelle vor. Sie zeigte dem Auditorium Bilder, die in Honigberg aus konservatorischen Gründen momentan nicht öffentlich zugänglich sind. Die Malereien aus dem 15. Jahrhundert orientierten sich interessanterweise bewusst an Vorbildern in Wien und auch Prag – jedoch nicht an zeitgleichen Werken in Italien.

Dr. Gabriele Mergenthaler (Bad Münster am Stein) lieferte in ihrem Vortrag eine denkmalpflegerische Bestandsaufnahme der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen und dokumentierte sie durch sehr gutes Bildmaterial. Abhängig von ihrem Erhaltungszustand stellte sie verschiedene Gruppen von Kirchenburgen sowie Strategien für den zukünftigen Umgang mit ihnen vor.

Am 30.12. zeigte Dr. Peter Hügel (Arad), Leiter des archäologischen Museums in Arad, bemerkenswerte Funde und Fundstätten der letzten Jahre. Sein Vortrag „Paradisum plantavit“ konzentrierte sich auf monastische Einrichtungen des 11. bis 16. Jahrhunderts und bestach durch seine ausgezeichnete Bildpräsentation mit vielen sommerlichen Überflugaufnahmen.

Uwe Hienz (Augsburg) referierte über den Mühlbacher Altar. Dieser ist nicht nur von besonderer ästhetischer Qualität, sondern stellt auch insofern eine Besonderheit dar, als es sich um den größten erhaltenen Flügelaltar Siebenbürgens handelt, der zudem die seltene Ikonographie der Wurzel Jesse als Hauptthema hat.

Einen thematisch ganz anderen Akzent setzte der Beitrag von Daniel Ursprung (Zürich) über Personenkult im Ceauşescu-Regime. Filmsequenzen vom Parteitag der Kommunistischen Partei Rumäniens im Jahre 1979 dokumentierten die Unmöglichkeit eines einzelnen „altgedienten“ Kaders der ehemaligen „Moskauer-Exilgruppe“, die Wiederwahl Ceausescus zu hinterfragen. Im Rahmen der anschließenden Diskussion präsentierten Teilnehmer interessante Beispiele zur Rolle von Humor und Ironie während der Zeit des kommunistischen Regimes in Rumänien.

Neben den Vorträgen gab es eine von Heinrich Kraus (Mainz) angeführte Wanderung zu einer Burgruine in der näheren Umgebung. An den Abenden standen neben immer wieder beliebten Tischfußballturnieren auch diverse Arbeitsgemeinschaften auf dem Programm. Dr. Meinolf Arens (München) führte in unkonventioneller Weise in die Geschichte und Landeskunde Siebenbürgens ein. Thomas Şindilariu (Kronstadt) scharte einen Kreis um sich, der eine Übersetzung des Spiels „Inquisitio Transylvanica“ ins Rumänische vorbereitete. Agnes Simon (Klausenburg) bot mit großem pädagogischem Geschick eine humorvolle Einführung in die Geheimnisse der ungarischen Sprache an.

Ähnlich wie die Nachfahren der Siebenbürger Sachsen, die vor der Herausforderung stehen, der 850jährigen Tradition ihrer Altvorderen gerecht zu werden, erging es den vielen neuen Teilnehmern der 21. Akademiewoche, als sie vor der Aufgabe standen, den Silvesterabend zu gestalten. In zahlreichen nostalgieumflorten mündlichen Überlieferungen türmten sich die kreativen Glanzleistungen der vergangenen zwei Jahrzehnte vor uns auf. Wie sollte man nur diesem hohen Anspruch auf ein Neues gerecht werden? Um gar nicht erst der Versuchung des Vergleichs zu erliegen, entschieden sich die Teilnehmer diesmal für eine Art „Sabbatjahr“ der Silvesterabendgestaltung. Auf den traditionellen Sketch zum Jahresausklang musste aber trotz sabbatical niemand verzichten: Dr. Gerald Volkmer (Wiesbaden) entfaltete bei der Versteigerung des Bücherangebots ein einträgliches literarisches Feuerwerk von nicht geringem Unterhaltungswert. Danach ging man zur Silvesterfeier über, bei der sich stimmungsvolle Tanzeinlagen mit kulinarischen Höhepunkten abwechselten.

Als besonders positiv soll am Ende dieses Berichts nochmals hervorgehoben werden, dass die langjährigen Teilnehmer der Akademiewoche sich sehr offen und herzlich allen neu Dazugekommenen zuwandten. Die Siebenbürgische Akademiewoche zeigte sich als ein dynamischer Kreis, der an neuen Initiativen und Aktivitäten ein großes Interesse hat und eine Plattform für alle bietet, die sich in die Arbeit von Studium Transylvanicum ganz praktisch einbringen möchten. Vielen Dank nochmals allen, die zum Gelingen der Woche beigetragen haben! (Karin Böllmann)

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