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Jahrestagung des AKSL Hermannstadt in Mediasch
Die diesjährige Jahrestagung des Hermannstädter Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL-SB) wurde in Mediasch abgehalten, der Stadt, die bereits 2001 eine Tagung zum Thema Weinbau beherbergt hatte. Das Thema der wissenschaftlichen Veranstaltung waren „Aspekte der Wirtschaftsgeschichte Siebenbürgens vom 19. bis 21. Jahrhundert“. Tagungsort war das Zentrum für Lehrerfortbildung (ZfL) im Schullerhaus. Eingangs verlas Thomas Şindilariu, Geschäftsführer des AKSL-SB, den Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden Dr. Ulrich A. Wien, der nicht anwesend sein konnte, betreffend die Aktivitäten des Arbeitskreises seit der letzten Jahrestagung im vergangenen Oktober in Kronstadt/Braşov. Danach folgte die Präsentation der Referate, die im Tagungsprogramm vorgesehen waren. Aus objektiven Gründen konnten drei Referenten nicht anwesend sein.
Einleitend sprach Dr. Judit Pál von der Babeş-Bolyai-Universität in Klausenburg über das Wirtschaftsbürgertum im ausgehenden 19. Jahrhundert in Ungarn, wobei auch auf die Situation Siebenbürgens eingegangen wurde. Die Referentin beleuchtete das Spannungsfeld zwischen der tradierten Ständegesellschaft und dem aufstrebenden Bürgertum in einer Zeit fortschreitender Industrialisierung. Dr. Pál wies darauf hin, dass die Juden, die einen Bevölkerungsanteil von etwa sechs Prozent der Bevölkerung ausmachten, einen Großteil der Unternehmer, Rechtsanwälte oder Bankiers stellten, also im Ungarn jener Zeit der Kern des Wirtschaftsbürgertums waren.
Dr. Marin Balog (Klausenburg) referierte über „Die Wirtschaftskrise von 1873 – ihre Ausprägung in Siebenbürgen und ihre Auswirkungen auf die Siebenbürger“, ein Thema, das angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise von großer Aktualität war. Die Krise von 1873, die gerade ins Jahr der Wiener Weltausstellung fiel, war eine Folgeerscheinung der Börsenspekulationen, an denen sich ein Großteil der Bevölkerung fieberhaft mitbeteiligt hatte. Die Auswirkungen waren auch in Siebenbürgen zu spüren, das Eingreifen des ungarischen Staates in die Wirtschaft führte jedoch dazu, dass diese sich bald erholte.
Robert Nagy (Klausenburg) zeigte in seinem Vortrag auf, inwiefern das deutsche Kapital in der Zeit von 1867 bis 1918 an der Erschließung der siebenbürgischen Erdgasfelder mitbeteiligt war.
Dr. Gudrun-Liane Ittu (Hermannstadt) untersuchte die Werbung der Firma Andreas Rieger im Siebenbürgisch-Deutschen Tageblatt in der Zeitspanne von 1883 bis 1904 und ging dabei sowohl auf inhaltliche als auch auf grafische Besonderheiten im Vergleich zur ausländischen Werbung ein.
Dr. Vasile Ciobanu (Hermannstadt) stellte neue Erkenntnisse in Bezug auf die Boden- bzw. Agrarreform von 1921 vor. Wolfgang Wittstocks (Kronstadt) Referat beleuchtete das gleiche historische Ereignis anhand der schriftlichen Erinnerungen des Hermannstädter Juristen Dr. Wilhelm Klein. Als Interessenvertreter der Gemeinden Heltau, Leschkirch und Großau verfasste Klein detailreiche Schilderungen über die Enteignung des sächsischen Grundbesitzes.
Attila Hunyadi (Klausenburg) referierte über die Vorbildwirkung des sächsischen Genossenschaftswesens für die Ungarn in der Zwischenkriegszeit. Der Referent wies nach, dass die Ungarn Siebenbürgens sächsische Institutionen als Vorbild zur Gründung ihrer eigenen benutzt hätten. Sie gründeten Landwirtschaftsvereine nach sächsischem Modell sowie Genossenschaftsbanken und Kreditgenossenschaften.
Christof Baiersdorf, der aus Deutschland angereist war, referierte zum Thema „Zur Geschichte der Holz- und Forstwirtschaft insbesondere in Mühlbach/Sebeş und im Mühlbacher Gebirge“. Das vom Referenten präsentierte Fallbeispiel, der Beitrag eines jüdischen Holzunternehmers zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Mühlbach, war ein Teil der eigenen Familiengeschichte mit ihren Höhen und Tiefen. Als jüdische Familie haben die Baiersdorfs ihr Unternehmen erstmals zur Zeit von Antonescus Militärdiktatur verloren und dann nochmals 1948, als die Kommunisten es verstaatlichten. Heute kämpft der rechtmäßige Erbe um die Rückerstattung des großväterlichen Erbes.
Auf diesem Wege sei sowohl den Sponsoren der Veranstaltung als auch Prof. Radu Creţulescu, dem Direktor des Lehrerfortbildungszentrums, das die Veranstaltung beherbergt hat, sowie Prof. Knall, der sich um die Organisation vor Ort bemüht hat, herzlich gedankt.
Gudrun-Liane Ittu
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